Niemand ist vergessen!

Arbeitszwang, Leistungsdruck, Naziterror und soziale Ausgrenzung überwinden!
Gedenkdemo anlässlich des 10. Todestages von Dieter Eich
In der Nacht vom 24. zum 25. Mai 2000 wurde Dieter Eich in seiner Wohnung
im Nordostberliner Stadtteil Buch von einer Gruppe junger Neonazis
zusammengetreten und anschließend von einem von ihnen, René R, dem Sohn
eines ehemaligen Bundesgrenzschutzbeamten, abgestochen. Dieter Eich war in
ihren Augen ein „Schmarotzer am deutschen Volkskörper“, da dieser
Sozialhilfe bezog und aus ihrer sicht auf „Kosten des Staates“ lebte.
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KUNDGEBUNG 8. MAI 2010
Remagen, 11-18 Uhr, Rathausplatz
8. Mai – Tag der Befreiung vom deutschen Faschismus
Ein kurzer historischer Abriss
Am 8. Mai 1945 wurde die bedingungslose Kapitulation der deutschen
Wehrmacht bekannt gegeben und somit endete formal der durch Deutschland losgetretene zweite Weltkrieg in Europa. Dieses Datum markiert die militärische Zerschlagung des Naziregimes durch die Alliierten, welches bis zum „bitteren Ende“ von der Mehrheit der Deutschen gestützt worden war.
Für die vom Nationalsozialismus Verfolgten, für die Menschen in den Konzentrationslagern, für die Bevölkerung der überfallenen Länder, sowie für die alliierten SoldatInnen und PartisanInnen in ganz Europa bedeutete der 8. Mai die Befreiung von unendlichem persönlichem Leid.
Dieser Tag steht für die Befreiung von der nationalsozialistischen Barbarei, die gerade aufgrund der Shoa präzedenzlos war.
Auch wenn wir den 8. Mai als die entscheidende Zäsur auffassen, auf die wir uns ausnahmslos positiv beziehen, so stellt sich dennoch die sogenannte „Stunde Null“ in der Retrospektive als eine politisch motivierte Konstruktion des scheinbar geläuterten Deutschlands dar.
Trotz anfänglichem Versuch der Alliierten eine konsequente Entnazifizierung durchzuführen, wurde dieser Vorsatz schnell durch den immer stärker werdenden Ost- West-Konflikt überlappt. Gerade die ungebrochene Kontinuität in der Exekutive, Legislative und Judikative
zwischen Nazideutschland und der BRD gibt uns die Aufgabe, den Schwur der Häftlinge von Buchenwald niemals zu vergessen:
„ […] Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“
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Mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise im Herbst 2008 und ihren Auswirkungen, wurden anfänglich auch Fragen nach Alternativen zum Kapitalismus laut. Inzwischen ist dieser Diskussionrs längst beendet und es geht nur noch darum, den Status Quo weltweit und damit auch für die deutsche Wirtschaft wieder herzustellen.
Dabei hat sich an der Situation nichts geändert, es ist nicht irgendeine Krise über uns hereingebrochen, sondern der Kapitalismus ist die Krise! Nicht anders ist ein System zu bewerten, das weltweit Hunger, Ausbeutung, Krieg und regelmäßige Crashs der Wirtschaft hervorbringt.
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Mai 2010 – Gedenkaktionen anlässlich des 10. Todestages von Dieter Eich in Berlin.
Gesichter und Namen statt blinde Flecken
Zwölf Menschen starben seit der Wiedervereinigung in Berlin durch die Hand von Neonazis – so zumindest die offizielle Statistik. Die Erinnerung an eben jene, die von den Neonazis ermordet wurden, verschwimmt mit der Zeit und macht somit auch die Tat an sich scheinbar ungeschehen. Darum ist es unsere Aufgabe, diesen Menschen Namen und Gesichter zu geben, damit sie, der Mord an ihnen, aber auch das Ausmaß nationalsozialistischer Ideologie nicht in Vergessenheit geraten. Gedenkdemonstrationen wie sie seit Anfang der 90er für Silvio Meier oder seit 2005 für Thomas Schulz in Dortmund stattfinden, stehen genau für dieses Anliegen. Die Art des Gedenkens ist für uns zweitrangig. Wichtig ist, dass es geschieht.
Seit nunmehr drei Jahren finden auch in Berlin wieder Gedenk-Aktionen für Dieter Eich statt. Sein Todestag jährt sich am 25. Mai 2010 zum zehnten Mal. Für uns ist dies ein Anlass, verstärkt auf die Umstände der Tat und die gesellschaftlichen Hintergründe hinzuweisen.
Eich bezog Sozialhilfe und wohnte damals in einer der Plattenbausiedlungen am Nordost-Berliner Stadtrand. In der Nacht vom 24. auf den 25. Mai 2000 betrank sich eine Gruppe junger Neonazis im selben Mietshaus im Stadtteil Buch, in dem auch Dieter Eich wohnte. Gegenseitig aufgestachelt fassten sie den Entschluss, einen „Assi zu klatschen“. Sie drangen in Dieter Eichs Wohnung ein, wo sie ihn vorfanden und brutal zusammenschlugen. Anschließend flüchteten die Täter. Kurze Zeit später kehrten sie zurück und töteten ihn mit mehreren Messerstichen, damit er keine Aussage bei der Polizei machen konnte. Dieter Eich verblutete in seiner Wohnung.
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Für ein selbstverwaltetes Zentrum in Erfurt

Eine Lücke in Erfurt
Am 16. April 2009 wurde das besetzte Haus in Erfurt nach langen politischen Auseinandersetzungen von einem massiven Polizeiaufgebot geräumt. Damit wurde ein Projekt zerstört, das über acht Jahre Raum für politische Intervention sowie möglichst unkommerzielle kulturelle und politische Veranstaltungen bot und von verschiedenen Gruppen genutzt wurde. Nicht zuletzt bestand dort die Möglichkeit auf einer solidarischen Ebene ohne Mietverträge zusammen zu leben.
Das kürzlich geräumte besetzte Haus befand sich auf dem ehemaligen Gelände der Firma Topf & Söhne, die während des Nationalsozialismus Krematorien für Konzentrations- und Vernichtungslager wie Auschwitz und Buchenwald produzierte. Seit Beginn der Besetzung im April 2001 war die öffentliche Auseinandersetzung mit der Geschichte der Firma ein zentrales Anliegen der Besetzer_innen. Ziel war es die weitgehend freiwillige und engagierte Beteiligung der normalen deutschen Bevölkerung an der technischen Umsetzung der massenhaften Menschenvernichtung aufzuzeigen.
Ausschlaggebend für die Beteiligung der Mitarbeiter_innen von Topf & Söhne am Holocaust waren im Besonderen Antisemitismus, Rassismus, Lohnarbeit als Lebensmittelpunkt und einziger anerkannter Lebensunterhalt sowie das Abdelegieren von Verantwortung nach „Oben“. Neben der Kritik dieser gesellschaftlichen Mechanismen auch im Hier und Jetzt versuchten wir Kritik an Zuständen wie Sexismus, Homophobie und Kapitalismus an die Öffentlichkeit zu bringen. Mit der Räumung des ehemaligen Topf & Söhne-Geländes findet diese Kritik jedoch kein Ende und es steht außer Frage, dass wir uns weiter in die Debatte um die Geschichte der Firma einmischen und natürlich auch weiter für ein selbstverwaltetes Zentrum kämpfen werden. Durch den Abriss des besetzten Hauses ist eine Lücke in Erfurt entstanden, die wir schnellstmöglich wieder füllen müssen und wollen.
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