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Bouffier unter Druck Neuer Ärger bei der Polizei

Die Pro­ble­me bei der hes­si­schen Po­li­zei spit­zen sich of­fen­bar zu: Erst be­rich­te­ten Be­am­te über Mob­bing-​Fäl­le bei der Po­li­zei, jetzt wen­den sich ehe­ma­li­ge Füh­rungs­kräf­te der Po­li­zei an In­nen­mi­nis­ter Volker Bouf­fier und er­he­ben schwe­re Vor­wür­fe gegen die neue Che­fin des Lan­des­kri­mi­nal­am­tes (LKA) und frü­he­re Frank­fur­ter Po­li­zei­vi­ze­prä­si­den­tin Sa­bi­ne Thurau.

Unter Thurau habe sich in­ner­halb der Po­li­zei ein Sys­tem des De­nun­zi­an­ten­tums her­aus­ge­bil­det, schrei­ben die ehe­mals lei­ten­den Be­am­ten am 19. Ja­nu­ar in ihrem Brief an Bouf­fier, der der FR vor­liegt. Be­stimm­te Be­am­te wür­den bei Thurau vor­stel­lig, um an­de­re Po­li­zis­ten an­zu­schwär­zen. „Viele die­ser An­schul­di­gun­gen be­ru­hen auf Ge­rüch­ten, Hö­ren­sa­gen, Flur­funk und be­wuss­ten Lügen“, schrei­ben die Po­li­zei­be­am­ten.

Dennoch seien oft ohne ausreichende Beweise Straf- und Disziplinarmaßnahmen gegen die denunzierten Beamten eingeleitet worden. Behauptungen würden ungeprüft zu den Akten genommen, Akteneinsicht werde den Beschuldigten verweigert. Die Betroffenen würden ausgegrenzt und im Kollegenkreis diffamiert, so die Schilderungen der Beamten, die selbst von Disziplinarmaßnahmen betroffen sind.

„Bei den Denunzianten handelt es sich erwiesenermaßen um Holocaustleugner und Rechtsradikale“, heißt es in dem Brief. Manche dieser Rechtsradikalen seien später „zunächst zum Hessischen Landeskriminalamt und dort pikanterweise zum Staatsschutz versetzt“ worden.

Ein rechrsradikaler Beamter sei später „als Ausbilder zur Hessischen Polizeischule versetzt“ und auch noch befördert worden . Dieser Beamte sei „momentan dazu ausersehen, im Namen des Landes Hessen Polizisten in Afghanistan auszubilden“, heißt es in dem Schreiben an Minister Bouffier. Vom Innenministerium war bis Redaktionsschluss keine Stellungnahme zu dem Brief der Polizeibeamten zu erhalten. Auch vom Polizeipräsidium Frankfurt gab es am Mittwoch keine Erklärung zu den Vorwürfen.

Einer der Unterzeichner des Briefs an Bouffier ist der ehemalige Leiter der Fahndung beim Polizeipräsidium Frankfurt am Main. Er sieht sich als Opfer des Denunziantensystems bei der Polizei.

Der Beamte im Rang eines Ersten Kriminalhauptkommissars wurde in der Vergangenheit verdächtigt, diverse dienstrechtliche wie strafrechtliche Verstöße begangen zu haben und war deshalb im März 2006 plötzlich vom Dienst suspendiert worden.

Doch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft haben keinen einzigen Nachweis strafrechtlich relevanter Verfehlungen ergeben. Alle Ermittlungen gegen den Beamten wurden eingestellt – trotzdem wurde er jahrelang vom Dienst suspendiert und bis heute nicht rehabilitiert, obwohl die Staatsanwaltschaft alle Vorwürfe geprüft hatte.

So wurde dem Beamten zur Last gelegt, ohne dienstliche Begründung Dienstfahrzeuge für private Zwecke benutzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft überprüfte 118 Fälle – immer gab es einen dienstlichen Zweck.

Ferner soll der Beamte sich tatsächlich nicht geleistete Überstunden gutgeschrieben haben. Die Staatsanwaltschaft überprüfte einen Zeitraum von zwei Jahren, ohne dass ein Tatnachweis gefunden wurde.

Außerdem soll der Polizeibeamte dienstliche Zugangsberechtigungen benutzt haben, um damit privat Fußballspiele in der Commerzbank-Arena zu besuchen. Die Ermittlungen haben jedoch ergeben, dass der Beamte von seinen Vorgesetzten den Auftrag erhalten hatte, sich mit den Gegebenheiten vertraut zu machen. Er hielt sich dienstlich im Stadion auf. Warum die Polizei weiter disziplinarisch gegen den Mann vorgeht, wird Innenminister Bouffier beantworten müssen.

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